Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Braunschweig schlägt angesichts der aktuellen BIP-Entwicklung Alarm.
Die Auswertung der amtlichen Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung zeigt: Braunschweig verliert im Vergleich zu Niedersachsen, Deutschland, zu anderen niedersächsischen und zu ähnlich großen deutschen Städten spürbar an Dynamik.
Besonders seit 2021 fällt die Entwicklung deutlich zurück. Das nominale Bruttoinlandsprodukt Braunschweigs stieg von 2014 bis 2023 von 16,9 Milliarden Euro auf 21,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 26,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum legte Niedersachsen um rund 40 Prozent, Deutschland insgesamt um rund 41 Prozent zu.
Noch deutlicher wird der Abstand beim Blick auf die jüngste Entwicklung: Zwischen 2021 und 2023 wuchs Braunschweig nur um 6,2 Prozent. Niedersachsen kam im selben Zeitraum auf knapp 15 Prozent, Deutschland auf rund 14,6 Prozent. Die kommunalen BIP-Daten aus der Wirtschaftsregion Braunschweig liegen aktuell amtlich nur bis 2023 vor; Länder- und Bundeswerte sind bereits bis 2025 verfügbar.
„Braunschweig ist ein starker Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Aber genau deshalb darf uns diese Entwicklung nicht egal sein. Wenn eine Stadt wie Braunschweig über Jahre deutlich langsamer wächst als Land, Bund und vergleichbare deutsche oder die anderen Städte in Niedersachsen, dann ist das ein Warnsignal“, erklärt der MIT Vorsitzende Jan Hackenberg. „Wirtschaftspolitik darf in Braunschweig kein Randthema sein. Sie muss wieder Chefsache werden.“
Besonders kritisch bewertet die MIT die Entwicklung seit 2021. In der ausgewerteten niedersächsischen Vergleichsgruppe steht Braunschweig beim Wachstum von 2021 bis 2023 ganz am Ende. Während Braunschweig lediglich um 6,2 Prozent zulegte, wuchsen etwa Oldenburg um 13,0 Prozent, Osnabrück um 12,5 Prozent, Emden um 21,6 Prozent und Wolfsburg sogar um 28,2 Prozent. Diese niedersächsischen Städte zeigen damit besonders deutlich, dass Aufschwung mit mehr Dynamik möglich ist. Beispielsweise lag Wolfsburg 2014 beim BIP noch knapp hinter Braunschweig, 2021 sogar etwas mehr darunter. Von 2021 bis 2023 zog Wolfsburg dann mit 23,2 Milliarden Euro jedoch deutlich an Braunschweig vorbei und zeigt wie eine dynamische Entwicklung möglich ist. Braunschweig lag 2023 bei 21,4 Milliarden Euro.
Auch der Blick über Niedersachsen hinaus ist ernüchternd: Unter den ausgewerteten Städten ähnlicher Größenordnung schneidet Braunschweig bei der Wachstumsdynamik schwach ab.
Münster lag 2014 mit 15,5 Milliarden Euro noch hinter Braunschweig, erreichte 2023 aber 21,5 Milliarden Euro und zog damit knapp vorbei. Auch Kiel, Freiburg, Rostock, Halle, Krefeld, Mönchengladbach, Magdeburg und Chemnitz entwickelten sich ebenfalls deutlich dynamischer als Braunschweig.
Braunschweig bleibt zwar ein bedeutender Wirtschaftsstandort, verliert aber im Vergleich an Tempo. „Das Problem ist nicht, dass Braunschweig keine Stärken hätte. Das Problem ist, dass aus diesen Stärken zu wenig wirtschaftliche Dynamik entsteht“, so Jan Hackenberg. „Wir haben Forschung, Hochschulen, Technologie, Mobilitätskompetenz, Mittelstand und Industrie. Aber wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, damit daraus mehr Gründungen, mehr Investitionen, mehr Gewerbesteuerkraft und mehr gute Arbeitsplätze entstehen.“ Wirtschaftswachstum sei kein Selbstzweck. Es entscheide ganz konkret darüber, welche Spielräume eine Stadt für ihre Bürger habe. Eine wachsende Wirtschaft bedeutet mehr Arbeitsplätze, bessere Aufstiegschancen, höhere kommunale Einnahmen, mehr Investitionen in Schulen, Kitas, Infrastruktur, Sicherheit, Digitalisierung, Kultur und Sport. Bleibt das Wachstum zurück, werden Verteilungskonflikte härter und politische Gestaltungsspielräume kleiner. Die MIT fordert deshalb einen wirtschaftspolitischen Neustart für Braunschweig.
Dazu gehören schnellere Genehmigungen, eine aktivere Flächen- und Ansiedlungspolitik, mehr Tempo bei Gewerbegebieten, eine stärkere Gründer- und Transferstrategie aus Wissenschaft und Forschung, bessere Erreichbarkeit der Innenstadt, weniger bürokratische Belastungen für Betriebe sowie ein klares Bekenntnis zu Industrie, Handwerk, Handel und Unternehmern aller Größen.
„Braunschweig braucht eine Wachstumsagenda“, heißt es weiter. „Andere Städte zeigen, dass Aufholen möglich ist. Wolfsburg hat nach 2021 eine starke wirtschaftliche Dynamik entwickelt. Münster hat Braunschweig bis 2023 eingeholt und knapp überholt. Braunschweig darf diesen Trend nicht einfach hinnehmen.“ Die MIT Braunschweig fordert Rat, Oberbürgermeister und Verwaltung auf, Wirtschaftspolitik messbar zu machen. Künftig sollten zentrale Kennzahlen wie BIP-Entwicklung, Gewerbesteuerbasis, Unternehmensgründungen, Ansiedlungen, Genehmigungszeiten, verfügbare Gewerbeflächen und Beschäftigungsentwicklung regelmäßig öffentlich berichtet werden. „Wer Wohlstand sichern will, muss Wachstum aktiver fördern. Braunschweig hat den wirtschaftlichen Ehrgeiz und das Potenzial — jetzt braucht unsere Stadt mehr politischen Fokus und die geeigneten Rahmenbedingungen“
Quelle der Auswertung: Amtliche Daten des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ für kreisfreie Städte und Landkreise bis 2023 sowie Länder- und Bundeswerte. Der Arbeitskreis erstellt unter anderem regionale BIP- und Wertschöpfungsdaten für Länder und Kreise.


Quelle: PM MIT Braunschweig/Red.
