Braunschweig, 4. Februar 2026 – Wasserverbands Mittlere Oker (WVMO)

Man könnte es fast einen Neujahrsbrauch nennen: Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum, Staatssekretärin Anka Dobslaw vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) und Dr. Bernd Hoppe-Dominik, Vorsteher des Wasserverbands Mittlere Oker (WVMO), leiten zum Jahresauftakt die nächste Phase der Gewässerrenaturierung der Schunter in Querum ein.
Mit einem ersten feierlichen Spatenstich wurde die bauliche Ausführung der Schunterrenaturierung in Querum gestartet. Die Kosten des Projekts tragen zu 100 Prozent das Land Niedersachsen und die Europäische Union. Dr. Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, begrüßt das Vorhaben:
„Naturräume und Naherholungsgebiete gehören zur DNA einer attraktiven Stadt – die Schunter und ihre nähere Umgebung bergen in dieser Hinsicht ein großes Potential für Braunschweig. Vor etwa 20 Jahren haben die Stadt und der Wasserverband Mittlere Oker mit der Renaturierung des Flusses begonnen – ein ökologisches Erfolgsprojekt. Wenn die Arbeiten am Abschnitt zwischen dem Borwall und der Brücke Bienroder Weg abgeschlossen sind, wird die Schunter in Braunschweig vollständig renaturiert sein – zusätzliche Maßnahmen sind in der Zukunft natürlich nie ausgeschlossen.
In absehbarer Zeit wird sich die Flussniederung hier in Querum wieder in einen vielfältigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen verwandeln und die Bürgerinnen und Bürger können ihre Freizeit in einem ökologisch hochwertigen Naturraum verbringen. Es wird auch Aussichtshügel und zwei direkte Zugänge zum Wasser geben. Im Namen der Stadt danke ich dem Land Niedersachsen und der Europäischen Union sehr für die Fördermittel, die dieses großartige Projekt ermöglichen!“
Zuletzt am 8. Januar 2025 hatte sich Staatssekretärin Anka Dobslaw vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) nach Braunschweig aufgemacht, im Gepäck damals einen Förderbescheid über 2 Millionen Euro. Zu den Zielsetzungen der Förderung sagt Dobslaw:
„Die naturnahe Entwicklung unserer Gewässer ist ein wichtiger Baustein für den natürlichen Hochwasserschutz und erhöht die Widerstandsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden gegenüber den Folgen des Klimawandels. Mit dem Start dieses Projekts in der Region Braunschweig, insbesondere an der Schunter, setzen wir ein klares Signal für zukunftsfähige Fließgewässer und attraktive Erholungsräume. Für die Gewässerentwicklung in Niedersachsen stehen dafür in den kommenden Jahren rund 50 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln zur Verfügung.“
Nach einer zwei-jährigen Entwicklungs- und Planungsphase bei der Stadt hatte zuvor in 2024 der WVMO als kommunaler Gewässerausbauverband der Städte Braunschweig und Wolfenbüttel das Projekt in seine Trägerschaft übernommen und die Mittel für die bauliche Umsetzung beim Land Niedersachsen beantragt.
„Renaturierung von Fließgewässern und die Wiederherstellung ursprünglicher Gewässerlandschaften sind Generationenaufgaben. Diese erfordern eine intensive und langwierige Planung sowie große Ausdauer, um dabei alle gesellschaftlichen Gruppen mit ihren besonderen Bedürfnissen fair zu beteiligen und die Maßnahmen mit der gebotenen Sensibilität gegenüber den bestehenden gewachsenen Ökosystemen auszuführen. Nur so erreicht man am Ende einen echten Mehrwert für Mensch und Natur“, gibt Verbandsvorsteher Hoppe-Dominik zu bedenken.
Bereits vor rund 30 Jahren habe der damalige Stadtheimatpfleger Rolf Sievert erste Ideen zu einer umfassenden Renaturierung der Schunter in Braunschweig veröffentlicht. Damit sei einer der Grundsteine für eine außergewöhnliche Gewässerentwicklungskampagne gelegt worden, die nach den Etappen in Thune-Harxbüttel, Hondelage-Dibbesdorf sowie Rühme nun zu ihrem vorläufigen Abschluss komme, erläutert Hoppe-Dominik weiter, der als Biologe und Naturschutzbeauftragter der Stadt diesen Prozess seit damals begleitet.
Der besondere Dank des WVMO-Vorstehers gelte dabei sowohl der Stadt Braunschweig und ihren Fachbehörden, die über Jahrzehnte mit viel Eigeninitiative und Enthusiasmus die Planungsprozesse begleitet und gefördert hätten, als auch dem Land, das diese Bestrebungen ein ums andere Mal mit der notwendigen finanziellen Ausstattung gewürdigt habe.
Wasserverband hatte im Frühjahr 2025 die Ausführungsplanung begonnen
Das Projekt dient ganz grundsätzlich der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) und stellt den Lückenschluss zwischen den bereits von Stadt und Verband durchgeführten Schunterrenaturierungen im Bereich Hondelage-Dibbesdorf sowie Rühme (Butterberg) dar.
Projektleiter Michael Stephan zu den zeitlichen und räumlichen Abläufen der Maßnahme:
„Mit Übergabe der Fördermittel an den Wasserverband war in 2025 die Ausführungsplanung begonnen worden, nachdem das Projekt seit 2022 in der Umweltverwaltung der Stadt vorbereitet und abgestimmt worden war.
Im ca. 100 Hektar großen Projektraum werden vornehmlich Maßnahmen zur Strukturverbesserung des Gewässers und der Aue umgesetzt, an den vorhandenen Brücken wird der Abfluss bei Hochwasser verbessert.
In der Nähe des heutigen Spatenstichs wird für den ersten Bauabschnitt der Stützpunkt für die rund 3,3 Kilometer lange Baustelle des WVMO sein.
Gebaut werden soll grundsätzlich in Fließrichtung, von Ost nach West. Begonnen wird aber im Bereich westlich der Fußgängerbrücke mit der Herstellung eines so genannten „Musterabschnittes“. Nach Freigabe dieses Abschnittes durch die beteiligten Fachbehörden wird dann nach diesem Muster weitergebaut.
Für die Umsetzung der Baumaßnahme wird etwa ein Jahr kalkuliert – ein wesentlicher Faktor ist beim Bauen in einer Gewässeraue allerdings die Witterung. So würden z.B. ein Hochwasser an der Schunter oder auch niederschlagsreiche Zeiten den Baufortschritt verzögern.
Spätestens aber zum Jahresbeginn 2027 sollte man sich wieder hier zur Abnahme verabreden können!“
Nach der Fertigstellung durch den WVMO geht die neu gestaltete Gewässerstrecke in die Unterhaltung durch den Gewässerdienst der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS) über.
„Gewässerunterhaltung ist eine Aufgabe der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH. Und es ist mehr als eine Pflicht – sie ist unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Wasser zu schützen bedeutet, Leben zu bewahren und die Grundlage unserer Zukunft zu sichern. Wir freuen uns, dass die Renaturierung weiter voranschreitet, auch wenn es während der Bauphase viele Herausforderungen zu meistern gilt“, sagt Judith Kraft, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH.
Eine starke Allianz für die heimischen Gewässer
„Bauphase der Schunterrenaturierung in Querum, Initiativen für weitere Gewässerentwicklungsmaßnahmen an der Oker in Braunschweig, sowie baulicher Hochwasserschutz, letzteres gleich in beiden Mitgliedsstädten: Der Verband hat auch nach bzw. grade wegen seiner starken Neuaufstellung seit Anfang 2024 weiterhin gut zu tun“, freut sich Sven Glodniok, Geschäftsführer des WVMO.
Ermöglicht werde dieses Arbeitspensum zu einem wesentlichen Teil auch durch das besondere regionale Netzwerk mit starken Partnern aus öffentlicher Verwaltung, Verbänden und Vereinen sowie der privaten Wirtschaft, in das man eng eingebunden sei, sowie durch die beständige Unterstützung seitens des Landes Niedersachen.
„Um sich personell leistungsstark und nachhaltig aufzustellen und so dem Bedarf und den Wünschen seiner Mitglieder auch in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen weiterhin gerecht zu werden, hat der WVMO gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die sog. „Gewässerallianz Mittlere Oker“ zur Förderung der hiesigen Gewässerlandschaft ins Leben gerufen. Aus dem dahinterstehenden Förderprogramm „Gewässerallianz Niedersachsen“ des Landes wird nun – wie bereits an zahlreichen weiteren Fließgewässern landesweit – u.a. die Personalstelle des neuen Gewässerkoordinators und Projektleiters an der Schunter mit 80% bezuschusst. In Verbindung mit der weiterhin vollständigen Übernahme von Projektkosten für Gewässerentwicklungsmaßnahmen durch Land und EU ein starker Anreiz, unsere Bemühung in der Region nicht bei Querum bewenden zu lassen“, blickt Glodniok positiv in die Zukunft.
Bildnachweise
- Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen
- Quelle: https://www.braunschweig.de/politik_verwaltung/nachrichten/schunterrenaturierung.php
